Als unser Hund abgestürzt ist… und alles nochmal gut ging

Nein, dies ist kein trauriger Blogpost. Aber nur mit Riesenglück. Zweimal sogar. Zweimal hatten wir das große Glück, dass Tobi, unser damaliger Hund abgestürzt ist und alles gut ausgegangen ist.

Leichtsinn! Anfänger am Berg! Gefahren unterschätzt! Den Hund in Situationen gebracht, die er selbst nicht meistern konnte! Falsche Ausrüstung! …! Ich höre die Spötter schon rufen.

Und ich muss sagen: Ja und Nein. Leichtsinnig waren wir bestimmt nicht. Beide Situationen ergaben sich aus Alltagssituationen. Kein hundeunfreundliches Terrain, kein unwegsames Gelände, keine Überforderung, obwohl es bei Wanderurlauben passiert ist, waren wir zum betreffenden Zeitpunkt nicht auf Wandertour – aber doch haben wir die Situation falsch eingeschätzt – und mit viel Glück ist nichts passiert.Wanderhighlights 10Pepes Vorgänger Tobi war ein Dackel-Labrador-Mix. Schwarz, süße Knopfaugen, viel länger als hoch, sicher rückrufbar in allen Situationen und eine absolut treue Seele. Wie ein zu groß geratener schwarzer Dackel mit langem Fell und dem sanften Gemüt eines Labradors. Als er bei uns einzog, war er bereits elf Jahre alt, aber topfit und hat uns auf vielen Wanderungen begleitet. Wie jeder Hund, kam auch Tobi mit uns immer wieder in Situationen, wo die Hundehalter besonders achtsam sind, den Hund an der kurzen Leine führen (Brücken, Straßen, steile Stellen im Gelände,…) oder darauf vertrauen, dass der Hund seine Kräfte und Fähigkeiten selbst einschätzen kann. Auf keiner der Wanderungen hat Tobi sich je verletzt oder kam in eine brenzlige Situation.Hund abgestürzt 3Hund abgestürzt 1Die erste Situation, in der es knapp war, war bei einem harmlosen Ausflug an die Mosel. Wir waren mit dem Auto unterwegs. An einer aussichtsreichen Stelle im Weinberg hielten wir an, machten eine Pause auf einer Bank. Tobi trug sein handelsübliches Geschirr, war angeleint und schnüffelte rund um die Bank mal hier mal da. Ein unachtsamer Moment unsererseits und Tobi kam auf dem Schiefergeröll des Weinbergs ins Rutschen, wurde panisch, rutschte tiefer. Nun hing er die zwei Meter Leinenlänge unter uns am Geröllhang zwischen den Rebstöcken und wurde immer panischer. Wir trauten uns nicht, die Leine loszulassen und er zappelte so lange, bis er sich aus dem Geschirr befreit hatte. Nun wurden auch wir panisch, denn nicht nur hätte er sich beim Abrutschen weiter verletzen können – etwa 50 Meter unterhalb verlief auch noch die vielbefahrene Bundesstraße. Und die Sache abzukürzen: Glücklicherweise beruhigte Tobi sich ein wenig und uns gelang es, den schlüpfrigen Hang mit unseren Freizeitschuhen herunterzusteigen und den Hund etwas unsanft nach oben zu bugsieren. Tobi blieb ohne Blessuren und wir haben gelernt, dass kein handelsübliches Geschirr etwas nützt, wenn der Hund abgestürzt ist, weil er sich zu einfach daraus befreien kann.Hund abgestürzt 7Hund abgestürzt 5Ein Jahr später dennoch die zweite, viel gefährlichere Situation. Wieder waren wir mit dem Auto unterwegs. Diesmal am Großglocknerpass. Ein Ausflug, keine Wanderung. Tobi trug sein normales Geschirr, das er stets zum Autofahren trug. An einer malerischen Hütte mit Sicht auf den Großglockner machten wir Halt und setzten uns auf die Terrasse, um etwas zu essen und zu trinken. Terrasse trifft es nicht richtig. Die Hütte hatte einen Vorbau auf Pfählen, der am Hang lag, wie ein Balkon. Während die eine Seite dieses Riesenbalkons hangzugewandt etwa 2 Meter über dem Boden lag, vergrößerte sich der Abstand zum Boden auf etwa 10 Meter nur drei Tische weiter. Unter uns eine steil abfallende Wiese mit Fels durchsetzt– wie das im hochalpinen Gebiet halt so ist. Tobi war an diesem Tag insgesamt sehr unruhig. Er war zu diesem Zeitpunkt schon mehr als 13 Jahre alt und auch ehrlich gesagt schon nicht mehr so ganz richtig im Kopf. Jedenfalls wollte er sich mit seinem Dackeldickkopf nicht unter den Tisch legen. Damit wir in Ruhe essen konnten haben wir ihn – wie immer – an der Sitzbank befestigt. Ihr ahnt es schon. Ich höre die Frau am Nachbartisch nur rufen „Der Hund!“, und schon war Tobi über das untere Brett der Terrassenumrandung geklettert und war auf der anderen Seite heruntergefallen.

Hund abgestürzt 8
Aussicht vom Balkon der Hütte von dem Platz an dem wir gesessen haben und Tobi runtergefallen ist.
Hund abgestürzt 9
Die besagte Hütte von der Rückseite. Der Balkon/ die Terasse liegt auf der anderen Seite.

Dort hing er nun an seiner Leine im Geschirr und baumelte. Diesen Anblick werden wir in unserem Leben nicht mehr vergessen! Unser Glück war, dass an dieser Stelle der Balkon nur etwa 2 Meter hoch war. Tom sprang mit einem Satz über das Geländer (Aua!) und hat den Hund von unten gestützt. So konnten wir ihn aus der Lage befreien. Nicht auszudenken, wenn wir nur einen Tisch weiter gesessen hätten. Wir hätten Tobi nicht von unten bergen können und wohl auch kaum am Geschirr nach oben ziehen können, ohne, dass er sich frei gestrampelt hätte. Den hohen Sturz und das wohl weiter folgenden Abrutschen den Hang hinunter, hätte er wohl nicht überlebt.

Hund abgestürzt 2
Kurz nach dem Unfall – der Schreck ist ihm noch anzusehen, oder?

Tobi und wir sind aus beiden Situationen mit einem Schrecken herausgekommen. Nicht auszudenken, was hätte Schlimmeres passieren können. Es zeigt aber, dass manchmal ein kurzer Moment der Unachtsam ausreicht, um seinen Hund in Gefahr zu bringen.

Nach diesem Ereignis am Großglockner hat Tobi übrigens noch etwa 10 Monate gelebt, bis wir ihn aufgrund gesundheitlicher Probleme, die mit seinem Alter zusammenhingen, erlösen mussten. Für Pepe haben wir direkt ein Ruffwear Webmaster Harness angeschafft, aus dem er sich nicht befreien kann. Dazu in einem späteren Artikel mehr. Ob wir Tobi dieses Sicherheitsgeschirr an diesen harmlosen Ausflugstagen (zwischen den Wandertagen!) angelegt hätten, ist allerdings fraglich, da wir überhaupt nicht damit gerechnet hätten, in solchen Situationen den Hund in solche Gefahren zu bringen.Hund abgestürzt 4Uns bleibt nur der allgemeine Appell: Liebe Hundebesitzer, traut eurem Hund etwas zu, aber achtet auf ihn. Manchmal ist es ein falscher Schritt, der verhängnisvolle Folgen haben kann.

Ist dir schon mal ein Hund abgestürzt?

Oder hast du schon mal eine ähnliche Situation erlebt?

Dann berichte uns doch gerne von deinen Erfahrungen.

8 Gedanken zu „Als unser Hund abgestürzt ist… und alles nochmal gut ging“

  1. Oh ja, ich kenne solche Situationen auch. Allerdings ist nie ernstlich etwas passiert.

    Vor 1 1/2 Jahren folg mir mein heute 12 jähriger Spike zu. Er kannte solche Wanderwege, wie ich sie beschritt kaum und konnte viele Gefahren auch nicht einschätzen.

    Einmal wollte er über eine Mauer springen und wäre den Abhang hinunter sicherlich in den Tod gestürzt.
    Mehrfach schon habe ich ihn davon abhalten können an steilen Abhängen sein Bein zu heben. Der Kerl ist wirklich leichtsinnig, zumal er beim Pinkeln auch immer gleichzeitig neugierig nach dem nächsten interessanten Punkt schaut und dabei schon mehrfach ins Kippen geriet.

    Wir tragen da schon eine große Verantwortung 🙂

    LG Elke

    1. Liebe Elke,
      wie gut, dass du die Situation mit der Mauer richtig eingeschötzt hast.

      Pepe ist zwar viel trittsicherer und auch nicht so trottelig wie Tobi es war. Aber wenn er einmal im „Markiermodus“ ist, müssen wir auch aufpassen, an welchen Stellen er das Bein hebt. 😀

      Viele Grüße
      Alex

    1. Lieber Benni,
      da hast du bisher Glück gehabt. Oder gut aufgepasst. Jeder Hund ist da wohl auch unterschiedlich geschickt… und dann ist es manchmal nur ein Augenblick, der eine Situation völlig ändern kann.
      Viele Grüße
      Alex

  2. Boh….da hat der Tobi doch glück gehabt.
    Wir haben auch mal so etwas mittgemacht. Wir waren auf der Kapellenweg nach Saas Fee, wo unsere schäferhund Bo sich vertrat und rutschte an den häng. Er könnte sich nog mit seine Pfoten festhalten und seine auge sagte uns: „Helfe mir bitte!“ Wir haben Ihn an seine leihe wieder aufgesogen. Es ist irgendwie so schön zu sehen, wie gelassen die dan Hunde sind wenn sie in Not sind. Eine kleine Moment haben wir gedacht was alles passieren könnte, aber mann muss da nicht über nachdenken……
    Mein Deutsch schreiben ist nicht so ganz gut, aber ich hoffe das Ihr mich trotzdem versteht! 😉

    1. Liebe Sandra,
      oh ja, wirklich Glück gehabt. Ich kann mir die Situation, die du schilderst, ziemlich gut vorstellen. Der Blick des Hundes… den vergisst man so schnell nicht.
      Habe mir gerade deinen Blog angeschaut. Schöne Bilder, die du da zeigst!
      Und ich verstehe dich ganz prima. Ich kann mir auf holländisch höchstens einen Kaffee bestellen… 😉
      Viele Grüße
      Alex

  3. Puh, da bin ich froh, dass ich mit keinem meiner Hunde jeweils eine so schreckliche Situation erleben musste. Das kommt ja schon meinen Horrorvorstellungen gleich, was so alles auf einer Wanderung mit Hund passieren kann – vor allem, weil wir auch gerne auf Pfaden unterwegs sind (Wutachschlucht, Vogesen etc.) bei denen sich jeder mit Höhenangst in die Hose machen würde 😉
    Unsere Amy ist aber auch so eine Ausbrecherkünstlerin wie es euer Tobi wohl war. Im Moment benutzen wir deshalb die Geschirre von annyx und Uwe Radant. Aus beiden hat Amy sich bis jetzt noch nicht befreien können 😉 Im Gegensatz zu Pluto, der eigentlich eine Bergziege werden sollte, ist sie nämlich wirklich tollpatschig und würde in einer solchen Situation bestimmt abstürzen.
    Liebe Grüße
    Julia

    1. Vielen Dank für deinen netten Kommentar!
      Pepe ist glücklicherweise viel trittsicherer und deutlich weniger tolpatschig als Tobi es war. Wir rätseln immer, was für ein Mischling Pepe ist und nennen ihn liebevoll tatsächlich auch immer „Bergziege“, weil er sehr sicher und mit viel Freude Felsen hochklettert. An Stellen, an denen er nicht weiter kommt, sucht er nach einem eigenen Weg und wenn er dann nicht weiter kommt, orientiert er sich an uns. Tobi war da auch anders. Aber eben auch älter. Und von ganz anderer Statur. Touren wie zum Hahnenköpfle und am Gottesackerplateu entlang hätten wir Tobi nicht zumuten können.
      Toll, dass du deine beiden Hunde so im Blick hast. So ist eben jeder Hund anders und auf seine Art her liebenswürdig und einzigartig 🙂
      Viele Grüße
      Alex

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